Die totale Sonnenfinsternis vom 21.6.2001 in Lusaka (Sambia)

Ein Reisebericht

Fotos: Stefan Pfeiffer

Der Entschluss, die totale Sonnenfinsternis im Juni 2001 in Afrika zu beobachten, stand für Stefan Pfeiffer und mich schon im Sommer 2000 fest, als wir hörten, über unser Vorstandsmitglied Rudolf Conrad (Wien) und einen Piloten (Max Schwendenwein) der Austrian Airlines würde ein Charterflug nach Lusaka organisiert. Denn für diese Jahreszeit sollten die Witterungsverhältnisse für Sambia außerordentlich gut sein und die kurze, wenn auch weite Reise versprach finanziell im Rahmen zu bleiben.

Also galt es, rechtzeitig mit den nötigen Vorbereitungen zu beginnen. Die Mitnahme größerer Montierungen kam für uns nicht in Frage. Anfangs des Jahres kaufte ich mir (endlich!) ein stabiles Dreibeinstativ und - die Idee stammte von Rudolf Conrad - einen kräftigen Getriebeneiger. Ein weiterer Neiger wechselte auch für Stefan den Ladentisch. Dazu kam für mich eine "Russentonne" (1000mm, F10). Mich störte allerdings, dass man aufgrund der azimutalen Anordnung der Gerätschaften beim Beobachten und Fotografieren immer in zwei Achsen korrigieren musste und bei ungenügender "Ein-Nordung" (bzw. "Ein-Südung" in Sambia) die Sonne bei einer Brennweite von 1000mm rasch "verlieren" konnte. Hier hatte Stefan die geniale Idee, speziell für Lusaka (15° südliche Breite) einen einfachen, dafür aber stabilen parallaktischen Stativaufsatz aus Eisenblech zu bauen, welcher schließlich sogar in Serienproduktion ging (3 Stück). Aufgrund eines Lichtspaltes an der Nordseite des Aufsatzes und einem azimutal angeordneten Gradnetz im Inneren des Aufsatzes war es uns sogar möglich, die "Ein-Südung" ohne Sterne und ohne Kompass am Taghimmel mit Hilfe unserer Sonne vorzunehmen.

Am 20. Juni um 11 Uhr ging's dann zunächst mit dem Zug nach Wien und mit dem Shuttle-Bus zum Flughafen nach Schwechat. Nach einem angenehmen, aber schlaf-losen achteinhalbstündigen Flug landeten wir (264 Passagiere) mit unserem Airbus um etwa 3.15 Uhr früh bei sternklarer Nacht in Lusaka, wo wir schon vom Flughafenpersonal freundlich empfangen wurden. Überhaupt fiel uns auf, dass der ganze Aufenthalt in Lusaka von den lokalen Behörden äußerst gut organisiert war. Da Stefan und ich die Nacht nicht im (kalten) Freien verbringen wollten, warteten wir bis Sonnenaufgang (kurz vor 7 Uhr) in der großen Halle des Flughafengebäudes. Nach kurzem Fußmarsch zum vorbereiteten Beobachtungsgelände, das sich auf einem Militärcamp des Flughafens befand, und einem gemütlichen Frühstück in einem der dort befindlichen Zelte, stellten wir am späteren Vormittag unsere Geräte auf. Es war immer noch wolkenlos, lediglich am Nordosthorizont zeigten sich einige niedrige Rauchsäulen brennender Felder. Etwas Sorgen machten mir aber die zum Teil kräftigen Windböen in Verbindung mit meiner Russentonne und der langen Brenn-weite von 1000mm; doch der Wind legte sich weitgehend bis zum Nachmittag.

Pünktlich um 13.42 Uhr machte sich der Mond vor der Sonne zum 1. Kontakt bemerkbar; der Jubel der Finsternisbeobachter, zu denen auch jede Menge einheimischer Beobachter zählten, war bereits so groß, dass man meinte, zu Beginn der totalen Phase könnte die Begeisterung nicht größer sein. Wir täuschten uns. Um den Trubel komplett zu machen, hatte sich auch der Staatspräsident von Sambia angekündigt, der auch prompt mit großem Gefolge während der partiellen Phase auf unserem Gelände eintraf. Seine Sicherheitsleute hatten ausgerechnet auch ein Fernrohr in unserer unmittelbaren Nachbarschaft auserkoren, durch das der Präsident unbedingt blicken sollte. Dies wiederum animierte Stefan und mich, unsererseits Sicherheitsbarrikaden aus Tischen und Stühlen aufzubauen, um unsere Stative vor möglichen unachtsamen Beinen zu schützen. Der Präsident begnügte sich aber mit anderen Fernrohren. Beim 2. Kontakt kurz vor 15.10 Uhr schwappte schließlich die Begeisterung vollends über. Aus dem Platzlautsprecher vernahmen wir so etwas wie "Oh my God!" und "Hallelujah!". Auch wir waren begeistert und berührt zugleich von dem phantastischen Naturschauspiel, dass sich uns am völlig wolkenlosen Himmel bot. Unsere Kameras klickten fast unaufhörlich. Der Anblick der verfinsterten Sonne mit ihren roten Protuberanzen und der strahlenden Korona in meinem Feldstecher war unbeschreiblich schön. Nach genau dreieinhalb Minuten zeigte sich die Sonne zum dritten Kontakt. Nun war die Spannung großer Freude über das Erlebte gewichen. Wir fotografierten weiter bis zum 4. Kontakt um etwa 16.28 Uhr.

Die Sonne war nun schon auf etwa 15° Höhe gesunken. Zufrieden packten wir unsere Ausrüstung zusammen, luden alles auf ein Gepäckwagerl und spazierten noch bei Tageslicht zurück zum Flughafen. Als wir gegen 20 Uhr unser Flugzeug bestiegen, stachen mir noch Alpha und Beta Centauri und das Kreuz des Südens ins Auge. Auch davon hieß es Abschied zu nehmen, als unser Airbus pünktlich um 20.30 Uhr abhob. Nun gönnten wir uns nach rund 40 Stunden die ersten paar Stunden Schlaf. Eine großartige Reise ging am Morgen des 22. Juni dem Ende zu.

Dr. Oskar Ritter

 

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