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Die totale Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 oder wie wir das Ereignis wahrnahmen

Als ich Anfang des Jahres zum ersten Mal auf die "total eclipse" aufmerksam gemacht wurde, kam das alles sehr überraschend für mich. Ich kannte zwar keine Details, wußte aber sofort, daß dies das wahre Ereignis im heurigen Jahr sein würde, zumindest im Vergleich zum künstlichen aufgebauschten Jahrzweitausend Rummel, der mich als Computerexperte schon geraume Zeit beschäftigt. Nachdem ich diese Meldung spontan noch an Freunde und Bekannte weitergeleitet hatte, fing ich an mich um die Fakten zu bemühen. Mein Erstaunen war sehr groß, als ich schon nach einer kurzen Tour im Internet jede Menge interessanter Informationen fand. Ich stieß dabei gleich direkt auf den NASA Sonnenfinsternisexperten, Fred Espanak, und auf die sehr gut gestaltete Homepage des Astronomischen Arbeitskreises Salzkammergut (http://www.astronomie.at/). Kurze Zeit später zierte ein Sonnenfinsternisposter die Wand in meinem Büro, wodurch ich versuchte mein Interesse an diesem Ereignis meiner Umwelt deutlich zu machen. Dann tat sich abgesehen von vereinzelten Diskussionen mit Kollegen sehr lange nichts mehr. Erst als Klaudia, die Anfangs nur mäßiges Interesse gezeigt hatte, im Mai am Sonnenfinsternis Workshop des AAS teilnahm, kam das ganze wieder richtig in Rollen. Sie war total begeistert, und wollte nun unbedingt dieses Ereignis möglichst gut fotografieren. Es gelang uns sogar ein 500mm Objektiv auszuleihen, Filter wurden gebaut und Probeaufnahmen gemacht. Wir waren bereit. Ab nun galt unser Aufmerksamkeit nur mehr dem Wetter. Die Chancen wurden mit 50% angegeben, aber nachdem um diese Jahreszeit immer herrliches Wetter herrscht gab es nicht mehr viel zu befürchten. Für mich war es sonnenklar, das das Restrisiko eines bewölkten Himmels wesentlich kleiner sein würde, und doch verfolgte ich die Wetterprognosen ab 1. August tagtäglich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich trotz angekündigter Kaltfront noch immer ein sehr gutes Gefühl. Zweifel kamen erst auf, als es am Sonntag, den 8. August überraschenderweise wechselhaft bewölkt war. Am Montag Abend kam es dann auch noch zu einem äußerst starkem Gewitter, mit heftigem Regenschauer. Dienstag war es ziemlich kühl und bis zum Abend wechselhaft bewölkt. Am späten Nachmittag gab es wieder starken Regen, der um ca. 18 Uhr relativ nahtlos in strahlenden Sonnenschein überging. Um 20 Uhr hatten wir traumhafte Sicht zum noch immer von der Sonne beleuchteten Höllengebirge und Traunstein.

Mittwoch 11. August 1999 - Als wir um 0:38 ins Bett gingen, war der Himmel sternenklar. Einige Sternschnuppen gaben uns noch die Gelegenheit ein paar Wünsche gen Himmel los zuwerden. Ein erster Blick aus dem Fenster früh Morgens um 6 Uhr 18 verheißt nichts Gutes: total bewölkt und regnerisch. Auch um 8:00 zeigt sich noch immer das gleiche Bild. Zwei Stunden später hören wir Meldungen im Fernsehen, denen zu Folge das Wetter im Innviertel besser sein sollte, worauf ich mich sofort ins Auto setze und nach Eberschwang flitze. Drüben angelangt, das gleiche Bild - komplett bewölkt. Was nun? Jetzt war guter Rat teuer, beziehungsweise machte sich erste Resignation bemerkbar, als wir um 11:19, dem planmäßigen Start der Sonnenfinsternis, noch immer ratlos auf der Terrasse meiner Eltern herumstehen. Nochmalige telefonische Anfrage in Ried, gibt uns die Gewissheit, daß auch im Innviertel das Wetter nicht besser ist. Da plötzlich, um 11:30 scheint die Sonne durch ein kleines Loch in der Wolkendecke. Wir waren so aufgeregt, das wir weder die Schutzbrillen fanden noch den Fotoapparat einrichten konnten, aber wir hatten die bereits "angeknabberte" Sonnenscheibe gesehen.  Erfüllt mit neuer Hoffnung machen wir uns sofort auf den Weg zu unserem vorgesehenen Beobachtungsplatz. Dort gelingt es uns auch tatsächlich die Sonne wiederum durch ein Loch in den Wolken zu beobachten und die ersten Bilder zu schiessen. Die Wolken ziehen sehr schnell vorbei. Immer wieder zieht die Bewölkung zu um nach Kurzem erneut aufzureissen. Im gleichen Ryhtmus gleingt es uns die Sonne zu erblicken und zu beobachten, wie sich der Mond allmählich davorschiebt. Das Schauspiel ist bereits jetzt sehr beeindruckend, was sich in allgemeiner Aufregung bemerkbar macht. Plötzlich sehen wir wie sich nord-östlich von uns ein großes Loch in der ansonsten weitgehend geschlossenen Wolkendecke auftut. Es nähert sich uns sehr schnell. Ab 12:10 freier Blick auf die Sonne. Nun scheint die Situation gerettet, allerdings steigt zugleich die Aufregung ins Unermeßliche. Wird sich diese Konstellation halten? Werden wir die totale Sonnenfinsternis zu sehen bekommen, oder werden uns etwa erneut die Wolken einen Strich durch die Rechnung machen?

Mittlerweile ist es nicht nur spürbar kälter geworden, es ist auch bereits bei weitem nicht mehr so hell. Von der Sonne ist nur noch eine kleine Sichel zu sehen. Gespannt verfolgen wir dem Schauspiel und bemerken vor lauter Aufregung kaum, wie sich eine dicke, fette Wolke vom Westen auf uns zuschiebt und uns um 12:34, nur 6 Minuten vor Beginn der totalen Sonnenfinsternis, den Blick auf die Sonne versperrt. Fassunglos verharren wir mit Blick in die Richtung wo wir gerade eben noch die verdunkelte Sonne sahen, und hoffen auf ein Wunder. Die wenigen Minuten fließen dahin, während sich mit rasanter Geschwindigkeit der Mondschatten nähert. Eine riesige Wolke verdeckt den Himmel über Ampflwang, die Chancen die Totale zu sehen sinken rapide gegen Null. 12:40 - es ist soweit. Abrupt wird es dunkel, und obwohl wir die Sonne nicht sehen können ist die Stimmung nahezu überwältigend. Ich habe mich später selbst gefragt, was nun daran so überwältigend war, und bin zu der Meinung gekommen, die Präzision des Ablaufs und die dahintersteckenden Dimensionen sind es, die mich dabei so stark beeindruckt haben. Genauso schnell wie es dunkel wurde, wird es auch wieder hell, und irgendwie war damit der "Spuk" vorüber. Zumindest an unserer Stelle, den nach wie vor verhindern dicke Wolken den Blick zur Sonne. Andächtig warteten wir noch eine geraume Weile und packten dann ruhig und gemächlich unser Sachen zusammen. Soll das wirklich alles gewesen sein? Um 13:15 zu hause angelangt, gelingt es uns noch vereinzelt ein paar Blicke auf die Sonne zu werfen. Mit gemischten Gefühlen beobachten wir, wie der Mond wieder weiterzieht. Niedergeschlagen wie nach einer schweren körperlichen Tätigkeit verharren wir der Dinge und wissen nicht recht was wir nun tun sollen. Die Entäuschung hält sich noch in Grenzen, wir haben es ja schließlich erlebt und bis zu einem gewissen Teil auch gesehen. Erst als uns ein Anruf mitteilt, daß nur 5km nord-östlich von unserem Standpunkt die totale Sonnenfinsternis beobachtet werden konnte, läßt sich ein gewisser Grad an Frustration nicht mehr unterdrücken. Nun besteht für uns kein Zweifel mehr, bei einer der nächsten Sonnenfinsternisse müssen wir auf jeden Fall wieder dabei zu sein. Ich bin noch nicht dazugekommen die genauen Daten zu checken, aber wie war das noch mal, 2003 über der Türkei und 2005 in Spanien, oder?

Marius Mager


Eine kleine Zusammenfassung weiterer Meldungen von Freunden und Bekannten:

Göran K., Saarbrücken - stark bewölkt, Sonne teilweise sichtbar, während Totaler verdeckt
Rut Sch., Karlsruhe - die Totale konnte gut beobachtet werden
Jan W., Stuttgart - stark bewölkt und regnerisch, konnten die Totale nicht sehen
Thomas v.K., München - stark bewölkt, nur im Norden der Stadt konnte man es sehen
Bodo & Gina, Salzburg - die Totale konnte gut beobachtet werden
Steve S., Braunau - die Totale konnte teilweise beobachtet werden
Hildegard, Frankenburg - stark bewölkt, konnten die Totale nicht sehen
Marianne, Pramet - konnten die Totale gut beobachten
Magers, Ampflwang - konnten die Verdunkelung gut wahrnehmen
Christine, Attersee - stark bewölkt vorher, Totale gut beobachtbar
Ernst & Laura, St.Veit - teilweise verdunkelte Sonne schön zu sehen
Sonja L., Wr. Neustadt - die Totale konnte gut beobachtet werden;

 

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