Astronomischer Arbeitskreis Salzkammergut

Sternwarte Gahberg

N 47°54'48" / O 13°36'33" / 860m

Marsopposition im Oktober 2020

Mars Opposition 2020

Die letzte gute Opposition für die nächsten 13 Jahre
von Robert Reitsam

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#8819 Marsoppositionen - erstellt von Robert Reitsam mit Winjupos von Grischa Hahn

  Marsoppositionen1833, Hits: 102 © image-owner (scaled: 484x680)

#8813 Marsoppositionen 2018-2033 - Rudi Thiemann


 
Beste Zeit zur Beobachtung ist von Ende August bis Mitte November 2020 mit den Höhepunkten
Erdnähe am 06. Oktober 2020 und Opposition am 14. Oktober 2020.
Mars ist von Anfang September bis Ende Oktober größer als 20".
20 Bogensekunden entsprechen einer 1 Euro Münze, die man aus einer Entfernung von 230 Meter betrachtet.
Der Mars steht beim Transit (Planet steht genau im Süden und am höchstens sten) mehr als 45° über dem Horizont. Im Herbst ist meist auch gutes Seeing und Wetter zu erwarten.

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#3597 Mars


 
Teleskope ab 8" (20 cm) sind für die Marsbeobachtung zu empfehlen. Das Optimum der Teleskopgröße liegt in Österreich an Standorten mit guter Luftruhe bei 10 bis 12". Visuell braucht man einen Neutralfilter, da Mars gleißend hell ist. 
Vergrößerungen ab 300fach sind sinnvoll, bei gutem Seeing dürfen es auch mehr als 400fach sein. 

Marsbilder aktuell:

Ein aktuelles Marsbild von Robert Reitsam am 2. Sep. 2020:

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#8820 Mars am 2.Sep.2020 - Robert Reitsam

Marsbild von Christoph Kaltseis:

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#8825 Mars am 13.9.2020 - C14 EdgeHD f30 / QHY462C - C.Kaltseis

Hier ein Link zu den aktuellen Marsbildern unseres Mitglieds Oliver Schneider http://balkonsternwarte.de/Planetenbilder/Mars_2020/
 
Seeing
Bedeutung der Luftunruhe für Planetenbeobachtung

 
Unter Luftunruhe bzw. „Seeing“ versteht man die atmosphärische Effekte, die das Flackern der Sterne („Szintillation“) verursachen. Diese Effekte werden durch Luftturbulenzen in verschiedenen Höhen verursacht. Der Effekt ist nahe dem Horizont stärker als im Zenit, weil das Sternenlicht am Horizont einen wesentlich längeren Weg in der Atmosphäre durchlaufen muss. Durch die Turbulenzen werden die Wellenfronten des Lichtes auf dem Weg vom Stern zum Teleskop gestört. 
 
Bei visueller Beobachtung von Planeten im Teleskop äußert sich ein schlechtes  Seeing durch ständige Schärfeänderung und Bewegung im Bild. Das führt zu verminderter Abbildungsqualität. Im schlechtesten Fall ist ein Scharfstellen nicht richtig möglich. Man bekommt dann keine Details auf der Planetenoberfläche zu sehen.

Das Seeing wird normalerweise in Bogensekunden = (“) angegeben. Als gutes Seeing werden dauerhafte Werte kleiner 1“ betrachtet, als sehr gutes Seeing solche kleiner als 0,5“. Bei gutem Seeing sind Vergrößerungen bis ca. 250 x, bei sehr gutem bis zu 500 x möglich. 
 
Sehr gutes Seeing ist auch an den besten Standorten weltweit nur an wenigen 
Tagen im Jahr und meist nur über kurze Zeit vorzufinden. Sehr gutes Seeing ist in Europa selten und nur an besonderen Standorten anzutreffen. Meist tritt dort sehr gutes Seeing im Herbst auf. Der Beobachtungsort mit dem kurzeitig besten Seeing in  Europa liegt in Frankreich, Pyrenäen, auf dem Pic du Midi, mit Seeing  bis zu 0,2“.
 
Die für das Seeing verantwortlichen Luftturbulenzen kann man in vier Zonen aufteilen:
 
Bodenschicht (0…2 m)
Diese teleskopnahe Zone wird primär durch Wärmeabstrahlung vom Boden, 
von Schutzbauten und von der Teleskopstruktur selbst erzeugt. Hier kann man viel selbst optimieren, z.B. durch Isolation oder Zwangsbelüftung des Teleskopes.
 
Lokale Schichtung am Beobachtungsort ( bis 800 m über Beobachtungsort)
Durch das Aufsuchen eines geeigneten Beobachtungortes lässt sich ein lokales 
Optimum finden. Leider ist das selten die eigene Hausterrasse. Üblicherweise bildet sich gerne eine Inversionsschicht 500 bis 800 m über dem Boden aus, die es zu überwinden gilt. Tallagen sind grundsätzlich ungünstig, hohe nahe Berge ebenso. 
 
Übergangschicht 1 bis 10 km Höhe
Hier spielt das lokale Wetter eine entscheidende Rolle. Fönlagen sind ungünstig. Um solche Wetterlagen zu umgehen, sind sehr weite Wege nötig.
 
Höhenströmungen 10 bis 15 km Höhe
Ein starker Jetstream führt normalerweise zu schlechtem Seeing. Wenn der Jetstream nach Norden abgelenkt ist, herrschen meist bessere Seeingbedingungen in Österreich. Das ist meist der Fall bei einem Hoch über Deutschland.

 

Solar System Mars, Hits: 5142 © image-owner (scaled: 680x680)

#3595 Mars


 
Was ist gut zu sehen?
 
Visuell interessante Gebilde auf  dem Mars sind die Vallis Marineris, Solis Lacus (häufiger Ausgangspunkt für lokale Sturmbildung), Sinus Sabaeus und die typische große Syrte, die am besten am 30.09.2020 zu sehen sein wird. 
 
Welche Stellung jeweils zu erwarten ist, siehe Simulationen 3…10 (calsky li, winjupos re)
 
Heute spielt sich die Planetenbeobachtung primär photographisch ab. Die Zeit der Planetenzeichnungen ist wohl seit 20 Jahren vorbei.

Mit der Verbreitung der Webcams hat die Planetenbeobachtung im Amateurbereich einen Quantensprung gemacht. Diese sind dem Auge weit überlegen.
 
Bei Mars ist aktuell die Aufnahme von bis zu 660 Bilder pro Minute mit Belichtungszeiten unter 1 ms möglich. Aktuell limitiert das die USB 3.0 Schnittstelle zum Computer. Bei den Webcams hat sich der chinesische Anbieter ZWO in Europa durchgesetzt. 
 
https://www.teleskop-express.de/shop/index.php/language/de/manufacturers_id/129/astro/ASI+ZWoptical.html 
 
Üblicherweise arbeitet man mit s/w Kameras und Bandfiltern. 
Mit der kurzen Belichtungszeit kann man das Seeing je nach Bedingungen gut einfrieren.
 
 
Bandfilter
Hier einige Links zu Filtern für die Planetenbeobachtung und – fotografie:
 
Filter
https://www.teleskop-express.de/shop/index.php/cat/c254_filter.html 
https://www.baader-planetarium.com/de/filter.html 
 
 
Stack-Software  
 
Am Markt  gibt es einiges an Stack-Software, die die besten Bilder aus den so
entstandenen Videos heraussuchen und aufaddieren helfen.  
Die Planetenbeobachtung ist damit leider auch etwas zur Bildbearbeitungsschlacht verkommen.  
Hier einige Links zu Stack-Software:
Giotto:    http://www.giotto-software.de/giotto.htm 
Registax:  https://www.astronomie.be/registax/ 
AutoStakkert:   https://www.autostakkert.com/ 
PlanetarySystemStacker https://github.com/Rolf-Hempel/PlanetarySystemStacker 
 
Die so gewonnen Ergebnisse sind inzwischen besser als das beste Bild der Profis aus der Zeit vor der digitalen Photographie.

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#3591 Mars allseits


 
Mit welchem Teleskop?
Bei den Teleskopen ist eine gute Optik ganz wichtig (so gut als irgend möglich, Strehl > 90% sinnvoll). 
Ab einer bestimmten Spiegelmasse wird die Spiegelzelle bzw. Ausführung und Design immer wichtiger, da sich der Spiegel sonst in Zelle verformt.
Gute 8 Zoll und 10 Zoll Newton gibt es auch aus China, ab 11 Zoll wird eine gute Optik immer rarer und ist nicht mehr handelsüblich. 
Der Tubus ist Geschmacksfrage - theoretisch wäre ein überdimensionierter doppellagiger Carbontubus mit Styropor Isolierung und Zwangslüftung eine sehr gute Lösung, wegen maximaler Steifigkeit und guter Isolierung . In Klimata mit konstanter Temperatur funktioniert auch ein Gitterrohrtubus gut. 
Der Okularauszug muss gut funktionieren – ich habe hier von einem Eigenbau Okularschlitten (50 Jahre alt) bis Starlight Feather Touch mit Microfokus und Schrittmotor (2013) alles Mögliche im Einsatz.  
 
Meine Erfahrung aus 40 Jahren Planetenbeobachtung: 
Mehr als 12 Zoll Öffnung machen in Österreich oder Deutschland nur ganz selten - und dann nur für spezielle Aufgaben - Sinn. Mit 10“ ist man meist gut unterwegs. Ein Standort mit wirklich gutem Seeing und entsprechend ruhigem Herbstwetter ist gefragt. Solche Standorte gibt es an den Nordalpen z.B. Trattberg oder Rossfeld, meinen bevorzugten Standorten in der Nähe von Salzburg.



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